Atopische Dermatitis der Katze

Die atopische Dermatitis (AD) (allergische Dermatitis, Atopie) der Katze (auch Feline atopische Dermatitis) ist eine immer häufiger vorkommende, allergisch bedingte Hauterkrankung bei Katzen. Der Begriff Atopie (gr. atopía – “Ortlosigkeit, nicht fassbar”) beschreibt eine häufig familiär bzw. genetisch bedingte Bereitschaft gegen diverse Umgebungsallergene nach einer Sensibilisierungs- phase Immunglobulin E (IgE)-Antikörper zu entwickeln die eine klassische Typ-I-Überempfindlich- keitsreaktion vermitteln. Anders ausgedrückt; bei veranlagten Tieren kann es, sobald entsprechende Umweltfaktoren hinzukommen, in Folge dieser spezifischen Hypersensibilität und der dadurch ausgelösten komplexen biochemischen und entzündlichen Folgereaktionen zu einer Störung der physiologischen Vorgänge im Organismus und/oder zu Gewebeschäden kommen.

AD ist eine bedeutende Erkrankung bei Hunden mit einem realtiv charakteristischen Verteilungsmuster. Bei Katzen präsentiert sich indessen die Symptomatik nicht so deutlich wie beim Hund ist aber teilweise ähnlich gelagert.

Ätiologie
Die Ursachen und Faktoren die den Ausbruch einer klinisch manifesten Atopie bei Katzen begünstigen sind vielfältig. Genetische Faktoren, Infektionen bakterieller Art, Aeroallergene – die über die Atemwege oder über die Haut aufgenommen werden (z. B. Hausstaubmilben, Blütenpollen), Futtermittelallergene (allergische Reaktionen auf Futtermittelinhaltstoffe – siehe auch Futtermittelallergie), Schimmelsporen, Vorrats- und Futtermilben, allergisierende Stoffe in Putzmitteln, Gräser, Ektoparasiten (in diesem Zusammenhang hier wohl an erster Stelle die Flohallergie), Irritanzien und psychische Faktoren (Stress, Langeweile, Einsamkeit), spielen eine Rolle.

Die atopische Dermatitis kann bei Katzen ganzjährig auftreten. Atopien die durch Blütenpollen oder Gräser verursacht werden sind jedoch bevorzugt im Frühjahr und in den Sommermonaten zu beobachten.

Der Beginn der Atopie kann bei der Katze sehr variabel sein, etwa zwischen dem sechsten Monat und dem 14. Lebensjahr. Ein erstes Auftreten der Krankheit erfolgt in den meisten Fällen zwischen dem ersten und sechsten Lebensjahr, wobei erste Symptome vor dem zweiten Lebensjahr häufiger beobachtet werden. Ein Ausbruch vor dem sechsten Monat ist selten da der Erkrankung zunächst eine Sensibilisierung vorausgehen muss.

Im Gegensatz zum Hund sind bei der Katze Alters- Rassen- oder Geschlechtsprädispositionen bisher nicht hinreichend nachgewiesen. Indoor-Katzen und Katzen mit freiem Auslauf sind bei entsprechender Veranlagung gleichermaßen betroffen.

Symptome
Leitsymptom der atopischen Dermatitis ist Juckreiz (Pruritus), anfänglich vielfach ohne primäre Hautveränderungen. Am häufigsten betroffen sind das Gesicht, die Ohren, der Nacken, die Achselbereiche, die Innenseiten der Schenkel, der Unterbauch, die Schwanzunterseite und seltener auch die Pfoten. Der Juckreiz oder besser die Juckreizschwelle kann individuell unterschiedlich ausgeprägt sein. Eine Überschreitung des Schwellenwertes führt zu ausdauerndem Belecken, Putzen und Kratzen was zur Folge hat, dass weite Areale betroffener Regionen kahl geleckt sein können. Hinzu kommen selbstinduzierte Kratzläsionen, hauptsächlich am Kopf. Es entsteht eine unspezifische Dermatitis mit Krusten und Erosionen.

Wie bereits erwähnt gibt es bei der Katze im Gegensatz zum Hund kein konstantes Verteilungs- muster. Im Zusammenhang mit der atopischen Dermatitis zeigen sich bei Katzen aber häufig folgende Symptome:

Diagnose
Die Diagnose der atopischen Dermatitis wird mittels Ausschlussverfahren gestellt. Eine Identifikation der auslösenden Allergene kann evtl. mit entsprechenden Allergietests (Intrakutantests) erfolgen. Die genaue Interpretation der Testergebnisse ist aber bei Katzen vielfach schwierig und setzt ein gewisses Maß an diagnostischer Erfahrung voraus. Negative Testergebnisse schließen eine atopische Dermatitis bei Katzen nicht aus. Hierzu zählen in erster Linie Ektoparasiten, insbesondere Flohbefall. Desweiteren sind u.a. psychogene Erkrankungen oder Futtermittelallergien in Betracht zu ziehen.

Therapie
Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Diagnose.

Eine Vermeidung der Allergene wird in den meisten Fällen nur schwierig möglich sein. Eine Allergenreduktion kann jedoch vielfach hilfreich sein und lässt sich meist auch leicht realisieren. Gute Ansätze sind z. B. regelmäßige Reinigung von Teppichen, Polstermöbeln und Liegefläschen (Decken etc. pp.), häufige Raumlüftung. Gegebenenfalls die Durchführung einer Flohbekämpfung und -prophylaxe (bei freilaufenden Katzen auf jeden Fall). Spielen psychogene Faktoren eine Rolle können Beschäftigung mit der Katze, (Spielen, Agility usw.) helfen.

Entsprechend dem Resultat des Intrakutantests, können die Katzen hyposensibilisiert werden.
Um den Juckreiz zu lindern sind z. B. Glukokortikoide hilfreich. Wegen der möglichen Nebenwirkungen ist eine längere Anwendung allerdings nicht zu empfehlen.